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Auf der Suche nach maßgeschneiderten Medikamenten
Wissenschaftler gehen heute längst nicht mehr zuerst ins Labor oder in
eine Sammlung von Medizinpflanzen, wenn sie nach neuen Wirkstoffen gegen Krankheiten
suchen. Stattdessen setzen sie sich an den Rechner. Denn hier können sie
zunächst erkunden, wie eine Substanz chemisch aussehen muss, um beispielsweise
gegen einen Erreger zu wirken. Mithilfe solcher computergestützter Entwürfe
von Wirkstoffmolekülen können diese dann sehr viel gezielter hergestellt
werden.
Schlüssel-Schloss-Prinzip
Bei der Suche nach der optimalen Form und Wechselwirkung solcher Moleküle
bedienen sich die Forschenden des Schlüssel-Schloss-Prinzips. Die Moleküle
werden so konstruiert, dass sie zum Beispiel genau in eine Bindungstasche eines
schädlichen Proteins passen. Sie docken an, blockieren das Protein und
verhindern seine krankmachende Wirkung. Mithilfe von Visualisierung und Simulation
kann das virtuelle Wirkstoffmolekül am Computer so lange angepasst werden,
bis es optimal passt.
Flexibilität als Hindernis
Das Problem ist jedoch, dass weder Schlüssel noch Schloss in diesem Beispiel
starre Gebilde sind. Sowohl das Zielmolekül als auch der Wirkstoff bewegen
sich bei Körpertemperatur und ändern Ihre Gestalt. Beide können
daher mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit verschiedene Formen und Konstellationen
annehmen. Ziel ist es, eine chemische Struktur zu finden, die in möglichst
vielen Zuständen passt – und das gelingt nur mithilfe der richtigen
Statistik.
An dieser Stelle sind Mathematiker gefragt, die Algorithmen zur Erzeugung und
zur Analyse solcher Statistiken entwickeln. In einer engen Kooperation zwischen
dem Zuse-Institut und einer Arbeitsgruppe im DFG-Forschungszentrum MATHEON in
Berlin wird die Flexibilität von Biomolekülen untersucht. Dies schafft
wichtige Voraussetzungen für ein effektives „Wirkstoff-Design“.
Den Forschern ist es im Herbst 2007 bereits gelungen, einen Wirkstoff gegen
die Volkskrankheit Diabetes zu simulieren, der nicht die Nebenwirkungen der
bisherigen Präparate aufweisen soll.
Projekt: Computational Drug Design
Ort: DFG-Forschungszentrum MATHEON, Zuse-Institut Berlin (ZIB)
Verantwortlich: Dr. Marcus Weber, ZIB
Projekt-Homepage: www.zib.de/Numerik/DrugDesign/index.en.html
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
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